Ein neuer Bericht von Colliers International From First Mile to Last Mile listet 6 Prognosen für diesen Sektor auf. Laut diesem sind mehrstöckige Lagerhäuser, Tiefseehäfen und einige wenige größere Geschäfte die Zukunft des Handels, da Millionen Käufer auf der ganzen Welt online einkaufen.

Aus dem Bericht geht auch hervor, dass Drohnen aufgrund des Anstiegs der Immobilienkosten und Luftraumverordnungen wahrscheinlich am Boden bleiben werden.

Der Colliers-Bericht “Einblick in den europäischen Retail & Logistiksektor– Vom Lagerhaus in die Regale” gibt einen Einblick in die ersten und letzten Schritte der Transportwege von den Lagerhäusern in die Regale der Shops.                                              

“Wir haben einen radikalen Wandel des Verbraucherverhaltens, welcher mit der größten je verzeichneten Rezession kollidiert, beobachtet und der Markt versucht diesen nun aufzuholen.“, sagt Damian Harrington, Leiter der Research Abteilung bei Colliers EMEA.

Der Bericht hebt 6 Prognosen für die kommenden Jahre hervor:

  1. Veränderung der Haupteinkaufsstraßen: Während die am schlimmsten getroffenen Haupteinkaufsstraßen aussterben, werden die freien Shops in vielen regionalen und subregionalen Gegenden an Cafés und Freizeiteinrichtungen, Paketannahmestellen und gemeinschaftliche Arbeitsräume vergeben. Die Haupteinkaufsstraßen innerhalb Europas wurden nicht so schlimm getroffen wie jene in England während der Rezession, vor allem wegen der unterschiedlichen Kaufgewohnheiten und reduziertem Überangebot an Flächen in Europa. So wie sich große Einzelhändler nun nur noch mit 50 anstatt 200 Standorten zufrieden geben, füllen neue Ketten die freien Flächen auf. Dazu gehören Marken wie „Doddle“, ein Paket Abhol- und –Annahme Shop und „Byron“, eine wachsende nobel Burger-Kette, die verspricht 10 Restaurants pro Jahr zu eröffnen.
  2. Übergroße Lagerhallen: Ansteigende Grundstückskosten veranlasst Entwickler in die Höhe zu bauen, um mehr Fläche zur Verfügung haben. 1A-Lagerhäuser haben in den letzten Jahren erheblichen Ertragsdruck genossen. Unternehmen wie „Next“, „River Island“ und „John Lewis“ haben bereits mehrere tausend Quadratmeter Stauraum angemietet. Die Möglichkeit die Waren näher beim Endkunden zu lagern könnte die Lieferungen weiter straffen und erlaubt es den Einzelhändlern ihre Lieferketten besser zu nutzen und Retail Outlets als Pick-up Stellen zu verwenden. In Japan gibt es „ProLogis Parc Narita III“, eine 61.400 m² große Industrieanlage, die sich über 7 Stockwerke erstreckt. Europa könnte bald seine eigene Hochbau-Lagerhalle bekommen.
  3. Tiefwasserhäfen: Containerschiffe sind heute 25 Mal schwerer beladen als 1970 und die Häfen mussten sich weiterentwickeln um Platz zu schaffen. Die weltweite Logistik- und Schifffahrtsindustrie hat sich entwickelt um das Wachstum im Handel zu erfassen und zu erleichtern. Deswegen sind Tiefwasserhäfen heutzutage eine Notwendigkeit. Ihr Aufkommen in Europa hat einen Anstieg des Handels über das Mittelmeer erfahren und neue Schifffahrtsrouten haben sich ausgeweitet. Der Kontinent bleibt weitaus fragmentierter als Asien.
  4. Digitale Urbanitäten vereinen sich und übernehmen: Untersuchungen zeigen, dass städtische, digital gebildete Konsumenten die Bevölkerung vom Land innerhalb der nächsten 2 Jahrzehnte dominieren und einen erheblichen Einfluss auf die Gestaltung und Auslieferung des Einzelhandels haben werden. Während Europa selbst ein vergleichsweise bescheidenes Wachstum erfahren wird, wird ein akuter Anstieg in China und Indien enorme Gelegenheiten für bestehende Einzelhändler offenbaren, die über den Vorteil einer etablierten Infrastruktur und Marken, die oft Konsumenten aus Schwellenländern anziehen, verfügen.
  5. Drohnen könnten am Boden bleiben: Trotz der Begeisterung rund um Drohnenlieferungen, könnten die aktuellen Luftraumvorschriften die Drohnen am Boden behalten. Stattdessen könnten Einzelhändler die vorhandenen Endtransporte, wie z.B. „Pedal Bikes“ und „Uber Taxis“, besser nutzen. Die Praxistauglichkeit von fliegenden DVD-Boxen zu Menschen in Hochhäusern sei dahingestellt  - solange man keine Postsammelstellen auf den Dächern der Bürogebäude errichtet. Und dann sind hier noch die Kosten. Da kostenpflichtige Dienste wie Amazon Prime eine kostenlose Lieferung anbieten, tun sie dies oft nur bei teureren Produkten. Obwohl die zeitbewussten Verbraucher alles immer morgen haben möchten, könnten einige auf nicht so dringende Artikel etwas länger warten wenn sie merken, wieviel sie dadurch sparen könnten. Des Weiteren könnten, mit der zunehmenden Besorgnis über die Umwelt, Fahrradkuriere oder Elektroautos zu einem „Totem“ für nachhaltig denkende Einzelhändler werden.
  6. “Show Rooming”(1) zahlt sich aus: “Show Rooming” ist ein Ausdruck für “wenn Käufer sich ein Ware ansehen, jedoch nicht kaufen oder stattdessen online zuschlagen”. Dies war einer der Treiber warum Unternehmen angefangen haben ihre Verkaufsflächen zu reduzieren und die Kapazitäten in den Erwerb von billigen Lagerhäusern zu verlagern, von denen aus man direkt in das Heim des Kunden liefern kann. Allerdings nutzen klügere Retailer auch Technologien wie Augmented Reality, 3D-Druck und biometrische Daten um mehr Gewinn aus dem realen Einzelhandel zu erzielen. Das Angebot einzigartiger Erlebnisse, maßgeschneiderter Produkte und Zusatzangebote könnten helfen die Bilanzen und den Markenwert zu stärken.

Einzelhändler wie Zara, John Lewis, H&M und Marks & Spencer verbinden immer mehr die Online und Offline Einkaufsmöglichkeiten. Sie verfügen über Shops mit großen Verkaufsflächen und über noch größere Lagerhäuser um die Lieferungen in die Shops, als auch die Online Bestellungen zu erfüllen.

“Die Einzelhandelsmuster haben sich geändert, aber die Branche ist widerstandsfähig. Viele Haupteinkaufsstraßen konzentrieren sich mehr auf Freizeiteinrichtungen mit „In-Store Kollektionen“, was eine gute Möglichkeit für die Wiederverwendung von ungenutzten Flächen als „Pick Up Point“ darstellt“, erklärte James Watson, Leiter der Retail Investment Abteilung von Colliers.

Da das mobile Einkaufen auf der ganzen Welt ansteigt, verlagern die Einzelhändler ihre Kapazitäten von den Einkaufsstraßen zu Lagerhäusern, um so Geld an den Mieten zu sparen und Waren schneller an die Kunden schicken zu können. Überdimensionale Containerschiffe fördern zwar Betriebsgrößenersparnisse, benötigen aber neue Tiefwasserhäfen und größere Vertriebszentren, da viele Waren zuvor in Einzelhandelsgeschäften zu finden waren.

Colliers hat die Daten verschiedener Märkte analysiert um demografische Trends und Mietveränderungen hervorzuheben, welche oft dafür ausschlaggebend sind, wieviel Fläche ein Einzelhändler nimmt. Die Erkenntnis ist, dass die Erträge der Lagerhäuser den Einzelhandel überholt haben, jedoch ist die Leistung regionaler Haupteinkaufszentren nach wie vor sehr gut.

“Viele Einzelhändler wollen immer noch einen Verkaufsraum auf den Haupteinkaufsstraßen und manche Online-Händler haben in der Tat speziell Shops eröffnet, wie Amazon in Seattle. Mit der Zeit werden einige Bezirke zwangsläufig aus der Einzelhandelsnutzung fallen“, so Damian Harrington, Leiter der Research Abteilung bei Colliers EMEA.

 

1 Verhalten von potenziellen Konsumenten, favorisierte Waren im stationären Handel praktisch zu prüfen, um diese im Anschluss zu einem günstigeren Preis über den Versandhandel zu beziehen.