Laut dem diese Woche erschienenen Bericht des Immobiliendienstleistungsunternehmens Colliers International gibt es genügend Hinweise darauf, dass das Ausrichten einer Weltmeisterschaft die Gewinnchancen erheblich erhöht. Der Colliers Bericht, FIFA Weltmeisterschaft 2014: Ziele in Brasilien zeigt auf, dass von den Ländern, die seit 1970 eine Weltmeisterschaft ausgetragen haben, 32% die WM gewonnen haben, 42% unter die ersten „Zwei“ kamen; 47% die WM unter den Top „Drei“ beendeten und satte 63% unter den ersten „Vieren“ waren.

Roger Hobkinson, Destinationsmanager bei Colliers International erklärt: “Gastgeber zu sein, ist oft eine Chance für ein Land zum ersten (und manchmal auch einzigen) Mal wirklich erfolgreich zu sein. Zum Beispiel hat es England vor dem Jahr 1966 nie über das Viertelfinale hinaus geschafft. Südkorea schaffte es nie aus der Gruppenphase bevor sie im Jahr 2002 den 4.Platz belegten; 2002 war die zweite Weltmeisterschaft für Japan und auch sie kamen durch die Gruppenphase. Auch für die USA war es 1994 das erste Mal aus der Gruppenphase als Gewinner hervorzukommen (auch wenn sie vom späteren Gewinner Brasilien in der ersten Runde geschlagen wurden). Chiles dritter Platz als Gastgeberland im Jahr 1962 ist der einzige Lichtblick an den sonst unauffälligen Aufzeichnungen; und Mexiko schaffte es als Gastgeber (1970, 1986) zweimal ins Viertelfinale.“

Er fährt fort: “Brasilien hat als Team und als Land viel zu gewinnen.”

In einem Versuch, die Auswirkungen der Tore zu analysieren und von den früheren Weltmeisterschaften zu lernen, hat das Research Team von Colliers International aus der ganzen Welt einen Bericht zusammengestellt, der sich mit den Auswirkungen der WM im Hinblick auf die Wirtschaft und Immobilienmärkte der Gastgeberländer befasst. Der Bericht inkludiert die Erfahrungen aller Länder bis hin zurück zu den mexikanischen Weltmeisterschaften im Jahr 1970.

Die Studie zeigt auf, dass die meisten Vorteile, die sich aus dem Ausrichten einer WM ergeben indirekt und langfristig sind und daher schwierig unmittelbar zu quantifizieren. Die Ergebnisse deuten an, dass die Messung von Erfolg oder Misserfolg weitgehend von der Motivation des Gastgeberlandes, dieses Event auszutragen, abhängt, was jedoch nicht unbedingt auf finanzielle Gründe begrenzt ist.

“Wir müssen die Motivation des Landes (und der Städte) für die Austragung berücksichtigen, dass eine ausgewogene Beurteilung des Nettonutzen gemacht werden kann“, so Roger Hobkinson weiter.

Die Nettogewinne, die Brasilien für die Ausrichtung der WM erzielt werden erheblich sein, jedoch werden diese wahrscheinlich nicht während der Veranstaltung selbst realisiert. Die aus dem Bericht hervorgehenden Top 5-Vorteile die Brasilien erwarten kann sind:

  • Gewinnen: Der Hauptvorteil des Gastgebers einer WM ist, dass es die Gewinnchancen des Teams des Gastlandes geradezu erhöht.

  • Wohlfühlfaktor: Der Wohlfühlfaktor, der mit der WM verbunden ist, ist zwar schwer zu messen und von Land zu Land unterschiedlich, jedoch ist allgemein bekannt, dass die Veranstaltung einen positiven Einfluss auf den Patriotismus und die nationale Einheit ausübt.

  • Profil/Marke: Der größte Nutzen, Gastgeber einer WM zu sein, liegt nicht im Finanziellen, sondern im sogenannten “Nations branding”. Gastgeber zu sein wird sofort die weltweite Bekanntheit eines Landes erhöhen und könnte sogar die Wahrnehmungen der Gastgeber ändern, was zu einem Anstieg des Tourismus und politischen Vorteilen führt, welcher dem Land über mehrere Jahre zugutekommt.

  • Infrastruktur: Unabhängig vom Erfolg – finanziell oder sportlich – bleibt als Vermächtnis die Infrastruktur in Form von  verbesserte Straßen, Transport- und Telekommunikationsverbindungen, die sonst nicht realisierbar gewesen wären.

  • Kosten: Verlässliche Zahlen, die die gesamten finanziellen Vorteile umfassen, die solch ein Event mit sich bringt, existieren nicht. Die Kosten pro Teilnehmer liegen bei ca. € 1.000, wobei hier die positiven Umsätze von Ausstrahlungsverträgen, Firmenwerbung und Merchandising nicht berücksichtigt wurden. Viele sind der Meinung, dass die Austragung eines solchen Events unbezahlbar ist.

Walter Boettcher, Leiter der Wirtschaftsabteilung bei Colliers International EMEA sagte: „Wenn man ein Land und seine Hauptstädte promoten möchte, so wie ein großes Unternehmen seine Marktbekanntheit erhöht, ist eine WM oder ein anderes Mega-event auszutragen der beste Garant für Erfolg. Im Gegensatz dazu, wenn man einen kommerziellen Gewinn erzielen, oder die Unterstützung der Bevölkerung in seinem eigenen Land erhöhen möchte, gibt es wahrlich einfachere Wege um diese sehr verschiedenen Ziele zu erreichen.